Als
Das Blaue Monster zum ersten Mal das Thema der Ausstellung hörte, nämlich
Zeichnung, hat es ein wenig überlegen müssen, was eine Zeichnung
ist. „Schwarze Striche auf weißem Grund“ hat es sich gedacht und auch
schon seine Stifte und seinen Zeichenblock herausgeholt. Aber dann hat es
noch einmal aufmerksam den Einladungstext zur Ausstellung durchgelesen und
bemerkt, daß man ja gar nicht einfach was zeichnen soll. Da Das Blaue
Monster gerne mit dem Computer spielt, hat es dann schwarze Striche und graue
Flächen auf dem weißen Bildschirm angeordnet. Und weil das mit
dem Computer so einfach ist, hat es dann noch die schwarzen Striche und grauen
Flächen sich bewegen lassen. Das war aber trotzdem eine Menge Arbeit,
da die ganzen Sachen sich nicht einfach so bewegen durften wie sie wollten,
das hätte nämlich doof ausgesehen. Aus irgendeinem Grund durften
manche Striche und Flächen immer nur vor anderen Strichen und Flächen
sein. Ein Freund hat dem Blauen Monster erklärt, daß das mit der
Perspektive zusammenhängt. Da hat Das Blaue Monster gestaunt, was sein
Freund für tolle Wörter kennt, und sich noch mehr Mühe gegeben,
daß alles richtig aussieht. Meistens tut es das jetzt auch, aber manchmal
sieht es gleich verschieden richtig aus. Ob das wohl mit dem tollen Fremdwort
zusammenhängt?
Jedenfalls ist Das Blaue Monster mächtig stolz auf seine Arbeit, denn
es findet, daß es eine schöne, einfache und klare Sache ist. Oft
ärgert es sich über Kunst am Computer, wo man im ersten Moment
denkt, daß da ganz komplizierte und tolle Dinge passieren, und man
dann aber ganz schnell merkt, daß das völlig egal ist, weil man
es nicht nachvollziehen kann und nur der Programmierer weiß, was passiert,
und es insofern letztlich eigentlich total beliebig und am Ende nur langweilig
und doof ist. Weil man es nicht versteht. Bei den fallenden Würfel passiert
auf den ersten Blick gar nichts, außer daß Würfel von oben
nach unten fallen, und in der Mitte für eine Weile stehen bleiben. Aber
wegen dem tollen Fremdwort passieren dabei dann doch komische Dinge, weil
die Würfel immer wieder anders aussehen. Das ist aber eigentlich ganz
einfach zu verstehen und macht daher großen Spaß.
Wem das zu langweilig ist, der muß nur länger hinschauen.
Weil viele Leute immer nur denken, daß Kunst das ist, was in einer
Ausstellung gezeigt wird, wäre es für Das Blaue Monster am aller
tollsten, wenn seine Arbeit in der Ausstellungshalle ausgestellt werden könnte,
weil dann ist es ja auf jeden Fall für alle Leute als Kunst zu erkennen.
Sonst denken wieder alle Leute, das sei bloß eine kleine Computer-Spielerei
vom Blauen Monster, und merken nicht, daß man genau hinschauen muß.
Und wenn schon Zeichnungen im ganzen Haus auf dem Boden und überall
sein sollen, dann ist es ja wohl auch nur gerecht, wenn der Computer-Bildschirm
in der Ausstellungshalle hängt. Sonst hängt da nachher gar nichts,
und das wäre sehr langweilig. Und vielleicht freuen sich dann ja auch
die Leute, daß sie mal was am Computer sehen, was ganz einfach und
klar ist und Spaß macht.
Zumindest auf den ersten Blick.
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